aus dem Stadtrat Eisenach
15. September 2016 Karin May (Fraktionsvorsitzende der Linken im Eisenacher Stadtrat)

Keine Michael Kohlhaas-Politik

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Eisenacher Stadtrat Karin May äußert sich nachfolgend zur aktuellen Debatte um die Zukunft des Landestheaters in Eisenach:

Es ist mir unverständlich, warum eine Abgeordnetenmehrheit des Kreistages die Zustimmung zu den Theaterverträgen an die Gebietsreform knüpfen will. Ich verstehe auch den Landrat nicht, der seine Stimme im Kreistag dafür in die Waagschale warf. Ich kenne ihn aus verschiedenen Arbeitszusammenhängen und habe ihn für einen kompetenten, vernünftigen Mann gehalten.

Die Gebietsreform hat wirklich nichts mit den Theaterverträgen zu tun. Da es bei anderen Optionen eine Rechtsnachfolge in der Theaterfinanzierung geben würde, ist die Befürchtung, immer weiter an den Vertrag gebunden zu sein, gegenstandslos.

Eine Trennung des Wartburgkreises wäre aber eine denkbar schlechte Lösung und würde nicht nur uns als Stadt Eisenach und Wartburgkreis erheblichen Schaden zufügen, sondern auch dem Finanztopf des Landes Thüringen, denn die vielfältigen Verflechtungen in der kommunalen Aufgabenerfüllung der Stadt mit dem Wartburgkreis zum gegenseitigen Vorteil und vernünftigen Umgang mit den finanziellen und materiellen Ressourcen wären zerstört. Das kann keiner wollen,

auch das Innenministerium nicht. Druckmittel dieser Art in der Politik, das besagen mancherlei Erfahrungen, führen dazu, dass zum Schluss herauskommt, was keiner gewollt hat.

Ich plädiere für die Vernunft, dass die Stärken unserer Region wirklich erkannt werden: Natur und Kultur sind hier in einer einzigartigen Weise vereint. Das haben viele in der Vorbereitung des Reformationsjubiläums erkannt. Für den Tourismus als eines der wirtschaftlichen Standbeine gibt es noch viel zu erschließen. Das vereinte Orchester Landeskapelle Eisenach/Gothaer Philharmonie gehört unabdingbar dazu. Es hängt nicht nur die Zukunft der 100 hervorragenden Musiker von der Unterzeichnung der Theaterverträge ab, und es gehört sich nicht, sie als Druckmittel zu benutzen, sondern auch die kulturelle und wirtschaftliche Zukunft, nicht nur unserer Wartburgregion.

Können der Landrat und eine Abgeordnetenmehrheit des Kreistages es aber nicht fertigbringen, bei der nächsten Sitzung über den Tellerrand zu schauen, ist der Scherbenhaufen groß genug, die kritische Masse zu überschreiten.