aus dem Stadtrat Eisenach
15. Dezember 2014

Kulturbarbaren sind wir nicht

Karin May

Hoch schlagen die Wellen in Eisenach. Auslöser ist das vom Stadtrat beschlossene Haushaltssicherungskonzept bis zum Jahr 2022. Darin ist von der Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG konzipiert, dass u.a.für die Stadt nur ein Museumsstandort in Frage kommen, die anderen Museumsstandorte aufgegeben und die Reutervilla verkauft werden soll.

Diese Vorschläge der KPMG sind rein finanzieller Natur und völlig ungetrübt von fachlichem Wissen über den Wert von Kunst und Kultur und den dazu notwendigen finanziellen und personellen Voraussetzungen. In der Stellungnahme der Stadtverwaltung heißt es dazu:

„Es wird vollkommen ausgeschlossen, dass diese Maßnahmen im Jahr 2015 haushaltswirksam werden können, weil

a) in dieser Zeit nicht die sich ergebenden Einzelprobleme gelöst werden können und

b) die Erstellung eines Museumskonzeptes, welches die Schließung von zwei Standorten beinhaltet, nicht in wenigen Monaten erarbeitet werden kann.“

Somit ist Zeit gewonnen für die notwendige fachliche Debatte, Transparenz und Bürgerbeteiligung. Trotz Haushaltssicherung wird ein(e) Museumsdirektor(in) eingestellt, weil auf fachliche Kompetenz nicht verzichtet werden kann.

Als Stadträtin ärgert mich schon seit Jahren, dass durch die Landesregierung weder ein den Aufgaben der Stadt entsprechender kommunaler Finanzausgleich gewährt noch eine verlässliche Kulturfinanzierung auf die Beine gestellt wurde. Kunst und Kultur ist kein Geschäft mit Renditeerwartung, das sich in Geld ausdrücken lässt. Ihr ideeller Wert ist unbezahlbar und unverzichtbar für eine demokratische Gesellschaft. Da sind sich, denke ich alle Stadträte einig. Ich setze große Hoffnungen in die neue Landesregierung, dass sie sich der jahrelang ausgesessenen Probleme annimmt. Im Koalitionsvertrag für den Bereich Museen ist festgeschrieben:

„Die Koalition wird die Museumslandschaft zusammen mit den Kommunen erhalten und anhand gemeinsam mit dem Museumsverband zu erarbeitender Qualitätskriterien weiterentwickeln."

Das ist eine gute Ausgangslage für eine sachliche und fachliche Debatte um die Ausrichtung der Museen in Eisenach, die mit Gewissheit nicht so verlaufen wird wie die „reine Lehre“ der Wirtschaftspprüfgesellschaft KPMG.

Karin May
Vorsitzende Stadtratsfraktion Eisenach